
Auf dem Panel (vlnr.): Marie Bruun Yde, Elena Mercedes Spatz, Prof. Dr. Andres Lepik, Claudia Tiesler, Caroline Kraft
12. Juni 2025
Wer hat Angst vor Architekturvermittlung?








Gespräch in Berlin zur Bauwelt-Ausgabe 12.2025
Die Bauwelt lud zum Panel: „Wer hat Angst vor Architekturvermittlung?“ In den Räumen von TOMAS diskutierte Claudia Tiesler mit Elena Mercedes Spatz, Prof. Dr. Andres Lepik und den Redakteurinnen Marie Bruun Yde und Caroline Kraft.
Anlass war das Erscheinen der Ausgabe 12.25. Während Andres Lepik (Architekturmuseum, TU München) die These vertrat: Architekturvermittlung ist primär Aufgabe der Institutionen, forderte Elena Spatz (Chair of Unlearning) das Hinterfragen bestehender Denkweisen, auch in der Art, wie wir über Architektur sprechen. Ich brachte eine andere Perspektive ein und plädierte dafür, dass Architekt*innen selbst Teil des Diskurses werden. Nicht als PR-Maßnahme, sondern aus Haltung.
Was ist Architekturvermittlung?
Die Bedeutung von gebautem Raum für Gesellschaft, Kultur und Alltag so zu übersetzen, dass möglichst viele Menschen verstehen, mitdenken und mitgestalten können. Menschen schätzen, was sie verstehen, darum ist Architekturvermittlung ein Hebel für Veränderung.
Wer hat Angst vor Architekturvermittlung?
Für mich gibt es seit 20 Jahren keine schönere Aufgabe und bin überzeugt: Wer nicht über seine Arbeit spricht, überlässt die Deutung anderen.
Warum schrecken viele Architekt*innen davor zurück? Kommunikation macht sichtbar. Wer sichtbar wird, macht sich angreifbar. Man verlässt den sicheren Raum der Fachsprache und hat Angst vor Missverständnissen, Kritik. Trotzdem lohnt es sich: Was erklärt wird, wird verstanden. Nur was verstanden wird, kann wertgeschätzt werden.
Wie geht Krisenkommunikation?
Nach 10 Jahren BER-Kommunikation mein Fazit: Schlechte Presse ist keine Krise. Für mich beginnt sie dort, wo sich die Kommunikation verselbstständigt. Wenn Falschmeldungen zirkulieren und jeder Taxifahrer seine Version erzählt. Dann geht es nicht mehr um Architektur, sondern um Schuld, Spekulation, Schlagzeilen.
Für mich sind in der Krise entscheidend:
🔈 Transparenz anstatt Schönfärberei
🔈 Klare Verantwortlichkeiten definieren: Wer spricht wann, mit wem über was?
🔈 Informiertheit: wer Orientierung geben will, muss selbst gut informiert sein.
🔈 Vertrauen: gute Kommunikation braucht eingespielte Beziehungen.
🔈 Resilienz: manchmal hilft nur: durchatmen, innehalten, weitermachen.
Was müssen wir ändern in der Kommunikation?
Machen wir es uns zu kompliziert? Nein, wir machen es uns zu einfach. Wir senden, aber hören zu wenig zu. Wir erklären viel, aber verstehen wenig davon, warum andere Architektur nicht verstehen. Gute Kommunikation beginnt mit Perspektivwechsel.
Wer kommuniziert bestimmt den Diskurs. Wenn nur 11 % der Architekturbüros groß genug sind, sich professionelle Kommunikation leisten zu können, bedeutet das: Sichtbarkeit ist ungleich verteilt. Neue Technologien können helfen, Vermittlung breiter zugänglich zu machen, mehr Stimmen zu ermöglichen.
Ort
TOMAS
Transformation of Material and Space
Mollstr. 1 / D-10178 Berlin
Zeit Donnerstag, 12.06.2025 um 19:00 Uhr
Fotos: Elke Stamm, Berlin
